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Margarethe und der Kaisersohn Ludwig

Ludwig V. von Wittelsbach, genannt “Ludwig der Brandenburger“ (* Mai 1315; † 18. September 1361), ältester von sechs Söhnen des Kaisers, war Anfang der 1340er Jahre der begehrteste Junggeselle im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“. Schon im Alter von acht Jahren hatte ihn Kaiser Ludwig mit der Markgrafschaft Brandenburg belehnt; als ältester war er zudem Anwärter auf das Herzogtum Bayern. Der „Brandenburger“ war von stattlicher Gestalt und er hatte sich bereits in jungen Jahren als Kriegsmann hervorragend bewährt. Am 08. Februar 1342 entschied Kaiser Ludwig zu Meran als „oberster Richter des Reiches“ kraft seines auf göttlichem und weltlichem Recht gegründeten Amtes auf „anullatio“ der Ehe zwischen Margarethe von Tirol und Johann Heinrich von Luxemburg. Am 10. Februar 1342 wirkte Kaiser Ludwig als Standesbeamter, was im 14. Jhdt im „Heiligen Römischen Reich“ ebenfalls ein Novum war. Er verheiratete seinen Sohn Ludwig, Markgraf von Brandenburg, mit Margarethe, Gräfin von Tirol, nach staatlichem Recht.
Ludwig V. von Wittelsbach, genannt “Ludwig der Brandenburger“ (* Mai 1315; † 18. September 1361), ältester von sechs Söhnen des Kaisers, war Anfang der 1340er Jahre der begehrteste Junggeselle im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“. Schon im Alter von acht Jahren hatte ihn Kaiser Ludwig mit der Markgrafschaft Brandenburg belehnt; als ältester war er zudem Anwärter auf das Herzogtum Bayern. Der „Brandenburger“ war von stattlicher Gestalt und er hatte sich bereits in jungen Jahren als Kriegsmann hervorragend bewährt. Am 08. Februar 1342 entschied Kaiser Ludwig zu Meran als „oberster Richter des Reiches“ kraft seines auf göttlichem und weltlichem Recht gegründeten Amtes auf „anullatio“ der Ehe zwischen Margarethe von Tirol und Johann Heinrich von Luxemburg. Am 10. Februar 1342 wirkte Kaiser Ludwig als Standesbeamter, was im 14. Jhdt im „Heiligen Römischen Reich“ ebenfalls ein Novum war. Er verheiratete seinen Sohn Ludwig, Markgraf von Brandenburg, mit Margarethe, Gräfin von Tirol, nach staatlichem Recht.


Margarethe 
und der Kaisersohn Ludwig

von
Dr. Bernd Oberhofer

6. September 1359, St. Margarethenkapelle am Alten Hof in München: Ludwig, Markgraf von Brandenburg, Herzog von Bayern, Graf von Tirol, blickt verklärt auf den blonden Scheitel der kindlichen Braut Margarethe von Habsburg-Österreich, die hier und jetzt seinem Sohn Meinhard, dem künftigen Herzog von Bayern und Grafen von Tirol, das feierliche Eheversprechen geben wird. Nach einer siebzehn Jahre dauernden Verdammung durch die Heilige Kirche steht er vor einer im Ornat prangenden Priesterschaft, umgeben von den Edelsten aus Herzogtum und Grafschaft, neben seiner wunderschönen Gattin, Margarethe, Erbgräfin von Tirol. Vor vier Tagen sind er und Margarethe an derselben Stelle vom Kirchenbann losgesprochen worden. Und die Heilige Kirche hat sich mit ihm, Markgraf Ludwig, und mit Margarethe, Gräfin von Tirol, wieder versöhnt.

„Doppelhochzeit“ in München

Nach der feierlichen Lossprechungs-Zeremonie, wo der Kirchenbann über Markgraf Ludwig und Gräfin Margarethe aufgehoben wurde, hat Abt Peter von St. Lamprecht die Trennung des Markgrafen von seiner Gattin Margarethe angeordnet. Margarethe sollte sich für drei Tage in das Heiliggeistspital vor der Stadtmauer begeben. Heute Morgen erst hat Herzog Rudolf von Habsburg-Österreich, begleitet von einer ansehnlichen Ritterschaft, Margarethe abgeholt und feierlich in die Herzogburg geführt. Vor knapp einer Stunde hat Erzbischof Ortolf von Salzburg mit lauter Stimme den päpstlichen Dispens für die Ehe zwischen dem Markgrafen und Margarethe wegen naher Verwandtschaft verlesen. In der Folge ist seine Ehe mit Margarethe kirchlich eingesegnet und ihr gemeinsamer Sohn Meinhard für ehelich erklärt worden. Jetzt geben sich Meinhard und Margarethe von Habsburg-Österreich das Ja-Wort für den Bund der heiligen Ehe. Meinhard ist gerade 15 Jahre alt, seine Gattin Margarethe erst 13.

Markgraf Ludwigs Blick fällt auf Herzog Rudolf von Habsburg-Österreich, der als Brautführer seiner kindlichen Schwester Margarethe direkt neben dem jungen Brautpaar steht. Den Markgrafen bewegt eine tiefe väterliche Zuneigung für den kühnen und klugen Herzog von Österreich, der noch nicht einmal 20jährig, schon Größtes vollbracht hat. Keine Minute seines Lebens hat er das Bündnis mit Herzog Albrecht von Habsburg-Österreich, dem Vater von Herzog Rudolf, bereut. Der Gedanke an seinen vor einem Jahr verstorbenen Freund, den alle im Reich „Albrecht den Weisen“ nennen, legt sich wie eine Klammer um sein Herz. Albrecht hat das für ihn und seine geliebte Gattin Margarethe Wichtigste vollbracht: Die Aussöhnung mit der Heiligen Kirche und die Legitimation ihrer Ehe. Vor zehn Jahren hat Markgraf Ludwig den Grundstein für das Bündnis mit Herzog Albrecht gelegt. Im Herbst 1349 hat er Albrecht den Weisen in dessen Residenz in Wien aufgesucht und das Freundschaftsbündnis begründet. Das heute eingelöste Eheversprechen ihrer Kinder, Meinhard von Tirol und Margarethe von Habsburg-Österreich ist damals vereinbart worden.

Der Markgraf ergreift die Hand seiner Gattin. Was hat Margarethe von Tirol alles erleben müssen! Im Kindesalter von zwölf Jahren in eine Ehe mit einem unreifen, gerade neunjährigen Jungen gezwungen, hat sie nach dem Tod ihres Vaters erst 17jährig die Regentschaft in Tirol übernehmen müssen – Tirol von Feinden umgeben und das Herzogtum Kärnten an Habsburg-Österreich verloren. Nur durch eine böhmische Besatzung mit ihrem damaligen Schwager Karl von Luxemburg an der Spitze hat Margarethe ihre Herrschaftsrechte in Tirol verteidigen können.

Naturkatastrophen in Tirol

Margarethe hat erleben müssen, wie ihr Land von den ungewöhnlichsten Naturkatastrophen heimgesucht wurde. 1338, 1340 und 1341 haben Heuschreckenzüge die blühenden Gefilde ihres geliebten Tiroler Landes verheert. Der erste Zug hat 14 Tage gedauert und ist so dicht gewesen, dass er die Sonne verdunkelt hat. Obwohl der Pfarrer von Kaltern die Heuschrecken von öffentlicher Kanzel herab gebannt und durch Geschworene verurteilt hat, sind die unfrommen Tiere noch zwei Mal und noch zahlreicher erschienen. Jeweils drei Wochen lang flogen die schlimmen Gäste bei Tag und bei Nacht die Etschufer entlang alles weit und breit verwüstend. 1339 hat Meran gebrannt, 1340 Innsbruck und Neumarkt. 1339 haben große Gewässer das Unteretsch in einen See verwandelt, so dass man von Neumarkt mit dem Schiff nach Tramin gefahren ist.

Rund zehn Jahre später, am 25. Jänner 1348 hat das „Große Villacher Beben“ die Erde in Tirol erschüttert, die Menschen in Furcht und Schrecken versetzt und Häuser zum  Einsturz gebracht. Im Sommer 1349 hat Margarethe schließlich das schlimmste Übel überstanden, von dem das Reich je heimgesucht worden ist: der „Große Sterb“, der „Schwarze Tod“. Über Genua auf dem Schiffsweg eingeschleppt, hat sich die Pest-Epidemie in Windeseile verbreitet. Boten im Büßergewand haben überall die Nachricht verbreitet, dass in Asia Blut und Feuer vom Himmel gefallen sei und dass jeder, der das Feuer gesehen oder den Rauch geschmeckt habe, gestorben sei und dass jeder, der mit einem solchen geredet habe, bald mit diesem starb. Schiffe seien gekommen und wer mit den Schiffern geredet habe, der sei gestorben und wer geflohen sei, der würde den Tod mit sich bringen. In kluger Umsicht hat Margarethe Schloss Tirol gegen einen unsichtbaren Feind in Verteidigungsbereitschaft gesetzt. Margarethe ist es gelungen, die Pestilenz von Schloss Tirol fern zu halten, während Markgraf Ludwig in Geschäften der Reichspolitik abwesend war.

Reichspolitik fordert Markgraf Ludwig

Inzwischen ist die Hochzeitszeremonie abgeschlossen und Markgraf Ludwig und seine Margarethe von Tirol sowie das junge Fürstenpaar Meinhard und seine Margarethe von Habsburg-Österreich, schreiten an der Spitze einer großen Gesellschaft zum Hochzeitsmahl. Markgraf Ludwig genießt die glücklichen Stunden an der Seite seiner schönen Gattin. Und er ist stolz, es nach so vielen Jahren geschafft zu haben, auch den Frieden mit der Heiligen Kirche zu schließen. Dem sind Jahre politischer Streitigkeiten und kriegerischer Auseinandersetzungen voraus gegangen, die den Markgrafen immer wieder vom häuslichen Herd in Tirol ferngehalten haben: als Markgraf von Brandenburg, als Sohn des streitbaren Kaisers Ludwig von Wittelsbach und als Kurfürst des Reiches.

Im Mai 1342 bestieg Pierre Roger, der viele Jahre Erzieher Karls von Luxemburg am französischen Königshof war, als „Clemens VI.“ den päpstlichen Thron. Von Avignon aus unternahm er alles, um die Absetzung Kaiser Ludwigs zu betreiben. Er wollte seinen Zögling Karl von Luxemburg auf den Kaiserthron hieven. Kaiser Ludwig wurde jeden Sonntag erneut von Clemens VI. gebannt. Clemens VI. führte „Prozesse“ gegen Kaiser Ludwig, die seine Würde als Kaiser untergraben sollten. Nach vier Jahren zeigten diese Bemühungen Wirkung. Eine politische Unklugheit des Kaisers erregte den Zorn der deutschen Fürsten. Papst Clemens VI. nutzte das aus. Er erklärte die Kurfürsten für säumig in der Wahl eines von ihm approbierten deutschen Königs und drohte den Fürsten, dass er selbst den neuen deutschen König ernennen würde. Mit Hilfe seines Großonkel Balduin von Trier, als Erzbischof von Trier wahlberechtigter Fürst des deutschen Reiches, wurde Karl von Luxemburg am 11. Juli 1346 zum Gegenkönig gewählt. Damit entstand Kaiser Ludwig ein offizieller Gegenspieler unter den deutschen Fürsten.

Als einen der ersten Schachzüge nach der Königswahl versuchte Karl von Luxemburg über Trient vom Süden kommend die Grafschaft Tirol im Sturm zu gewinnen. Zuvor bewog er die Litauer zu einem Angriff auf Mark Brandenburg und er verbündete sich im Geheimen mit einem Teil des Tiroler Adels. Markgraf Ludwig war zur Verteidigung Brandenburgs fort geeilt, als Karl von Luxemburg mit oberitalienischen Söldnern Mitte Mai des Jahres 1347 den Angriff auf Tirol startete. Margarethe wurde jedoch vorgewarnt und sie hat Boten nach Brandenburg entsandt. Ohne auf Widerstand zu stoßen, konnte Karl mit seinen Truppen vor Schloss Tirol ziehen, wo Margarethe die treu Gebliebenen gesammelt hatte. Drei Wochen lang verteidigte Margarethe Schloss Tirol heldenhaft, als die Kunde von der Rückkehr des Markgrafen Ludwig eintraf. Der Luxemburger Karl wurde zum Rückzug bewogen, wobei er das reiche Bozen in Flammen aufgehen und entlang des Rückzugsweges nach Süden morden und plündern ließ. An der Salurner Klause ereilte seinen Heerzug das Schicksal: Der Luxemburger wurde von Markgraf Ludwig in einem harten Gefecht endgültig geschlagen und in die Flucht gejagt. Das anschließende Strafgericht über den abtrünnigen Teil des Tiroler Adels überließ der Markgraf seinem bayrischen Gefolgsmann Herzog Konrad von Teck. Die Kriegsvorbereitungen seines Vaters, des Kaisers, gegen König Karl von Luxemburg erforderten seine Anwesenheit in Deutschland.

Luxemburg, Habsburg und Wittelsbach versöhnen sich

Am 11. Oktober 1347 verstarb Kaiser Ludwig von Wittelsbach überraschend. Markgraf Ludwig und die übrigen Gegner des Hauses Luxemburg wollten den Tod des Kaisers mit der Wahl eines neuen Gegenkönigs ausgleichen. Markgraf Ludwig wählte deshalb im Jänner 1349 mit drei weiteren Kurfürsten Graf Günther von Schwarzburg zum neuen deutschen König. König Karl von Luxemburg konnte den Schwarzburger jedoch zum Verzicht auf die Krone bewegen. Der Widerstand gegen das Königtum Karls von Luxemburg brach damit zusammen. Markgraf Ludwig war Realist genug, um zu erkennen, dass seine Partei, die Wittelsbacher, den Kampf um die Königs- und Kaiserwürde verloren hatten.

Bereits im Mai 1348 hatte sich Herzog Albrecht von Habsburg-Österreich mit dem Haus Luxemburg ausgesöhnt und Karl von Luxemburg als deutschen König anerkannt. Ebenfalls im Jahr 1348 suchte Johann Heinrich von Luxemburg, Margarethes erster Ehemann, die päpstliche Kurie auf, um eine Annullierung der Ehe zwischen ihm und Margarethe von Tirol zu erreichen. Er hatte inzwischen seine Tiroler Pläne und den Gedanken an die widerspenstige Landesherrin aufgegeben. Er wollte nun wo anders Eheglück suchen. Johann Heinrich bestätigte, dass es nie zum Vollzug der Ehe mit Margarethe gekommen sei. Er begründete dies mit einem „maleficium“, einer Verzauberung. Seine Impotenz bezöge sich nur auf Margarete. Wegen der gemeinsamen Kindheit hätte er eine Art „Geschwisterliebe“ aufgebaut. Am 21. Juli 1349 wurde die Ehe Margarethes von Tirol mit Johann Heinrich von Luxemburg auch nach kirchlichem Recht für Null und nichtig erklärt. Johann Heinrich heiratete noch im selben Jahr Margarete von Troppau, die ihm drei Töchter und drei Söhne schenkte.

Inzwischen ist die Hochzeitstafel aufgehoben. Das öffentliche Beilager der jungen Eheleute soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Markgraf Ludwig befindet sich im herzoglichen Schlafgemach und versinkt in den Armen seiner Margarethe, die seine Liebe zärtlich erwidert. Sein Freund Albrecht der Weise hat ihm vor bald zehn Jahren klar gemacht, dass eine Aussöhnung mit der Kirche die Beilegung des Streits mit dem Haus Luxemburg voraussetzt. Danach hat er Markgraf gehandelt: Im Frühjahr des Jahres 1350 versöhnten sich Markgraf Ludwig und seine fünf Brüder mit König Karl von Luxemburg und Markgraf Ludwig übergab König Karl die Reichsinsignien, die Zeichen der Macht des gewählten und gekrönten deutschen Königs. Die Reichsinsignien hatte er nach dem Tod seines Vaters Kaiser Ludwig im Jahr 1347 auf Stift Stams in Tirol in Sicherheit gebracht. Knappe drei Jahre hatten die Mönche die Reichskrone, die Heilige Lanze, das Reichsschwert, den Krönungsmantel und zahlreiche andere Kleinodien des Reichsschatzes behütet.

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Margarethe Maultasch von Tirol und der Kaisersohn Ludwig, von Dr. Bernd Oberhofer

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Margarethe Maultasch von Tirol. Skandal-Lady des 14. Jahrhunderts

Margarethe und der Kaisersohn Ludwig

Ein verwegener Bergsteiger gewinnt Margarethes Herz

 

 

 

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Bernd Oberhofer

Ein verwegener Bergsteiger gewinnt Margarethes Herz

Herzog Rudolf IV. von Habsburg „Superstar“, Stifter der Universität Wien und des Kollegiatskapitels zu St. Stephan, Begründer des Stephans Doms, (*1339 in Wien; † 27.7.1365 in Mailand), war der genialste Politiker seiner Zeit. Obzwar nur ein Herzog, war sein Auftreten das eine Königs. Seit 1356 war er mit der Tochter Kaiser Karls IV., Katharina von Luxemburg, verheiratet. Als 19jähriger übernahm er 1358 die Regierung der gesamten "Herrschaft zu Österreich". In Fortsetzung der Jahre langen Bemühungen seines Vaters, Albrecht „der Weise“, war es ihm 1359 gelungen, beim Papst den nachträglichen kirchlichen Segen für die Ehe Margarethes von Tirol mit Ludwig von Brandenburg zu erreichen. Die Ehegattin Meinhards III., Margarethe von Österreich, war seine Schwester. Als 23jähriger gewann er nach dem unerwartet frühen Tod von Meinhard III. das Herz der Tiroler Margarethe, des Tiroler Adels und die ganze Grafschaft. Die Hausmachtspolitik der Habsburger, durch den Abschluss von Erbverträgen und Verheiratung den eigenen Machtbereich zu erweitern, wurde ganz wesentlich durch vorangetrieben.
Herzog Rudolf IV. von Habsburg „Superstar“, Stifter der Universität Wien und des Kollegiatskapitels zu St. Stephan, Begründer des Stephans Doms, (*1339 in Wien; † 27.7.1365 in Mailand), war der genialste Politiker seiner Zeit. Obzwar nur ein Herzog, war sein Auftreten das eine Königs. Seit 1356 war er mit der Tochter Kaiser Karls IV., Katharina von Luxemburg, verheiratet. Als 19jähriger übernahm er 1358 die Regierung der gesamten „Herrschaft zu Österreich“. In Fortsetzung der Jahre langen Bemühungen seines Vaters, Albrecht „der Weise“, war es ihm 1359 gelungen, beim Papst den nachträglichen kirchlichen Segen für die Ehe Margarethes von Tirol mit Ludwig von Brandenburg zu erreichen. Die Ehegattin Meinhards III., Margarethe von Österreich, war seine Schwester. Als 23jähriger gewann er nach dem unerwartet frühen Tod von Meinhard III. das Herz der Tiroler Margarethe, des Tiroler Adels und die ganze Grafschaft. Die Hausmachtspolitik der Habsburger, durch den Abschluss von Erbverträgen und Verheiratung den eigenen Machtbereich zu erweitern, wurde ganz wesentlich durch vorangetrieben.

1363: Ein verwegener Bergsteiger
gewinnt Margarethes Herz

von
Bernd Oberhofer

16. Jänner 1363, Krimmler Tauern: Herzog Rudolf von Habsburg-Österreich, sein Kanzler Bischof Johann Ribi von Gurk, und drei weitere Begleiter haben sich durch Schnee und Eis gekämpft. Vor fünf Tagen sind sie in Wien aufgebrochen. Vier Nächte und drei Tage sind Herzog Rudolf und seine Gefährten im Sattel gesessen. In Krimml im Pinzgau hat die kleine Reisegruppe einen Tag Rast gemacht, Säumer gedungen und den Übergang über das Gebirge vorbereitet. Heute Mittag haben sie die auf 2.600 Meter gelegene Passhöhe überwunden. Ein Teil der Säumer ist noch im Salzburgischen auf der Warnsdorfer Alm mit den Pferden umgekehrt. Der Pass konnte im Winter nur zu Fuß überwunden werden. Angeführt von den vier Krimmlern, die sie heil über den Pass bringen sollen, hat die Gruppe nun den Wald auf Tiroler Seite erreicht. Am Horizont hat Herzog Rudolf schon die Häuser von Prettau erkannt. Sie haben es geschafft! Mitten im Winter haben sie vom Pinzgau aus über die Hohen Tauern das Tiroler Ahrntal erreicht.

An 10. Jänner sind in Wien Brieftauben des Tiroler Kanzlers Johann von Lichtenwerth eingelangt. Meinhard, Graf von Tirol und Herzog von Bayern, soll sterbenskrank darnieder liegen, möglicher Weise vergiftet. Rudolfs Brüder haben ihn für verrückt erklärt, weil er mitten im Winter über die Tauern nach Tirol eilen wollte. „Tirol ist das Wagnis allemal wert!“ hat Rudolf ihnen vorgehalten. Noch in derselben Nacht sind sie zu fünft in Wien aufgebrochen: Über Judenburg Steiermark ins Salzburgische bis Krimml von dort das Salzburger Achental südwärts über die Tauern ins Tirolische Ahrntal. Mehrfach hat Rudolf in diesen Tagen seinen Tiroler Schwager im Gedanken verflucht. Warum muss er sich mitten im Winter zum Sterben niederlegen? Aber was soll das helfen – Herzog Rudolf ist fest entschlossen, den Vettern aus dem Haus Wittelsbach-Bayern und dem Görzer Grafen Meinhard zuvor zu kommen. Auch die Machtgelüste seines Schwiegervaters, Karl von Luxemburg, seit 1346 deutscher König und seit 1355 Kaiser des heiligen römischen Reiches, sind im Auge zu behalten. Schließlich hat dieser schon im Jahr 1347 versucht, Tirol mit Waffengewalt in seine Hand zu bringen. Und als Kaiser des Reiches standen ihm viele Machtmittel zur Verfügung.

Rudolf IV. von Habsburg „Sohn seiner Zeit“

So oder so ähnlich wären die Gedanken Rudolfs IV. von Habsburg, „des Stifters“, nachzuvollziehen, wäre er – wie die älteren Geschichtsschreiber behaupten – über den Krimmler Tauern gereist. Tatsächlich beweisen zwei Schreiben Rudolfs IV. aus diesen Tagen, dass er in Wahrheit die Reiseroute über Kärnten und durch das Pustertal genommen hatte; letzteres gehörte damals bis zur Mühlbacher Klause zum Herrschaftsbereich der Grafen von Görz. Die nachträglich erfundene Geschichte der verwegenen Winterreise über den Krimmler Tauern sollte den Handstreich des „jungen Helden“ glorifizieren, mit dem er das Herz Margarethes und die Grafschaft Tirol gewonnen hatte. Rudolf IV. war nicht nur ein energischer und engagierter Herrscher, er war auch ein genialer Stratege – in politischer Hinsicht und die geistlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen betreffend. Als würdiger Sohn seines Vaters Herzog Albrecht von Habsburg-Österreich, den alle „den Weisen“ nannten, soll er schon als junger Mann wie ein König aufgetreten sein. Und Rudolf IV. war nicht abgeneigt zur Erhöhung seiner Person und des Fürstenhauses Habsburg-Österreich den Behelf der Geschichtsfälschung anzuwenden. Dies ganz im Stil der damaligen Zeit.

Seit der kaiserlosen Zeit, dem Interregnum, das mit der Wahl Rudolfs I. von Habsburg zum deutschen König im Jahr 1273 beendet wurde, waren drei Fürstenhäuser in große Machtpositionen gekommen: Habsburg, Luxemburg und Wittelsbach. Johann von Luxemburg, als König von Böhmen der angesehenste unter den Fürsten des Reiches, hatte als erster die Hand nach Tirol ausgestreckt. Gegen eine enorme Geldzusage bewog der Luxemburger den Vater Margarethes in die Verheiratung seiner einzigen Tochter mit dem jüngeren Königssohn des Luxemburgers einzuwilligen. Das geschah im Jahr 1330. Dagegen hatten sich der Habsburger Herzog Albrecht „der Weise“ und der Wittelsbacher Kaiser Ludwig „der Bayer“ verschworen. In einem Geheimvertrag vereinbarten sie, die Erbländer des Tiroler Grafen nach dessen Tod unter sich aufzuteilen. Margarethe und ihr Luxemburger Ehegespons sollten leer ausgehen. Als der Tiroler Graf 1335 starb, besetzten die Habsburger sofort das Herzogtum Kärnten. Margarethe konnte sich jedoch in Tirol als neue Landesherrin durchsetzen. Dies mit Hilfe ihres damaligen Schwagers Karl von Luxemburg, dem späteren Kaisers Karl IV. Nur sechs Jahre später hatte Margarethe allerdings selbst der Luxemburger Herrschaft in Tirol ein Ende bereitet. Sie hatte den Luxemburger Königssohn ausgetrieben und den Wittelsbacher Ludwig von Brandenburg geheiratet, den Sohn des Kaisers Ludwig „des Bayern“. Diese zweite Ehe Margarethes war offensichtlich eine glückliche. Vier Kinder hatte Margarethe geboren, von denen allerdings nur der Erstgeborene, Meinhard, die Tage als Kleinkind überlebte.

Erbrecht und die Macht, es durchzusetzen

Dieser Meinhard war 1361 mit dem Tod seines Vaters, Ludwigs von Brandenburg, Herzog von Bayern geworden und Graf von Tirol. Mit dem Tod Meinhards im Jänner 1363 erbten die fünf Brüder des Vaters aus dem Haus Wittelsbach die Herrschaftsrechte als Herzog von Bayern; die Rechte als Graf von Tirol gingen auf seine Mutter über. Das Erbrecht der Frauen war damals allerdings keine Selbstverständlichkeit. Die fünf Wittelsbacher Brüder, die Onkeln Meinhards III. von Tirol, machten sich deshalb Hoffnung auf einen Zuerwerb im Gebirge. Dem wollte Herzog Rudolf von Habsburg zuvor kommen. Rudolf wollte in Tirol Fakten schaffen. Dies mitten im Winter, solange keiner der Gegenspieler in der Lage wäre, Tirol mit Gewalt zu nehmen. Seit dem Jahr 1349 bestanden enge Freundschaftsbeziehungen zwischen dem Herzog von Österreich Albrecht „dem Weisen“ und den Herrschern im Land im Gebirge. Herzog Albrecht hatte versprochen, Ludwig und Margarethe bei der kirchlichen Anerkennung ihrer Ehe zu unterstützen. Gleichzeitig war die Verlobung der Fürstenkinder Meinhard von Tirol und Margarethe von Habsburg-Österreich, seiner Schwester, vereinbart worden. Herzog Rudolf hatte nach dem Tod seines Vaters Albrecht mit aller Macht dafür Sorge getragen, dass die Verhandlungen mit dem päpstlichen Stuhl zu einem erfolgreichen Ende gebracht wurden. Am 2. September 1359 war in München der päpstliche Dispens für die Eheschließung Ludwigs von Brandenburg und Margarethes von Tirol öffentlich verkündet und vier Tage später die kirchliche Hochzeit gefeiert worden. Nun wollte Rudolf IV. den Lohn für diese Bemühungen sicherstellen.

Am 18. Jänner erreichte Rudolf von Habsburg Schloss Rodenegg am Ausgang des Pustertals, damals den Habsburger Herzögen verpfändet. Seinen Kanzler Bischof Johann Ribi von Gurk, der die Reise mit ihm unternommen hatte, schickte er nach Brixen, um den dortigen Bischof für seine Pläne zu gewinnen. Er selbst begab sich nach Bozen, wo er mit Gräfin Margarethe und seiner frisch verwitweten Schwester das Zusammentreffen für den 20. Jänner vereinbart hatte. Rudolfs Plan war es, Margarethe für die sofortige Übergabe aller Herrschaftsrechte und aller Besitzungen zu gewinnen. Auf Lebenszeit solle sie zwar in Tirol regieren; dies jedoch im Namen der österreichischen Herzöge Rudolf, Albrecht und Leopold. Margarethe von Tirol leistete dem Bruder ihrer Schwiegertochter keinen Widerstand. Auch der Tiroler Adel erlag dem Charme des Österreichers. Bereits am 26. Jänner 1363 wurde die Übergabeurkunde in Bozen feierlich errichtet – gesiegelt von Margarethe, Rudolf und zwölf Tiroler Landherrn, Vertreter der angesehensten Tiroler Familien. Ohne Widerstand befolgten die Tiroler Margarethes Aufforderung, den österreichischen Herzögen die Treue zu schwören. Am 3. Februar huldigte Bozen, am 5. Meran, am 9. Sterzing, am 10. Innsbruck, am 11. Hall. Schon in der zweiten Februarhälfte konnte Rudolf IV. von Habsburg-Österreich, nunmehr auch Graf von Tirol, die Grafschaft erfolgreich alleine lassen. Der 23jährige Fürst, der überall wie ein König auftrat, hatte die Herzen der Tiroler im Sturm erobert. Noch am 5. Februar hatte der Bischof von Brixen die Herzöge von Österreich mit allen Rechten belehnt, welche die Grafen von Tirol bisher in seinem Bistum innehatten; am 18. September 1363 erfolgte derselbe Schritt seitens des Bischofs von Trient; im Februar 1364 von Seiten des Bischofs von Chur.

Rudolf IV. von Habsburg „Superstar“

Warum Margarethe von Tirol sofort eingewilligt hat, ihren Schwiegersohn zum neuen Herrn des Landes im Gebirge zu machen, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Offensichtlich sah Margarethe in Rudolf den Ersatz für den verstorbenen Sohn. Meinhard und Rudolf lagen altersmäßig nur wenige Jahre auseinander und sie waren sich freundschaftlich verbunden gewesen. Und die Alternativen für Margarethe waren nicht wirklich attraktiv: Den fünf jüngeren Brüder ihres verstorbenen Gatten, den Herzöge von Bayern, wollte sich Margarethe nicht ausliefern. Die Grafen von Görz und Krain, die Anspruch auf die Wiedervereinigung der Gebiete östlich und westlich der Mühlbacher Klause hatten, kamen wegen ihrer fehlenden Machtmittel nicht in Betracht. Das Haus Luxemburg mit Kaiser Karl IV. an der Spitze, war immer noch Margarethes „Erbfeind“, weil sie den Königssohn Johann Heinrich 1341 aus Tirol ausgetrieben hatte. Und sechs Jahre später hatte Margarethe ihr Land erfolgreich gegen ein Heer des Luxemburgers verteidigt. Hinzu kam die Verwandtschaft: Rudolfs Großmutter Elisabeth war die Tante von Margarethe.

Anteil am Zustandekommen des Machtwechsels hatte natürlich auch der Tiroler Adel. Margarethe war 45 Jahre alt und nun ohne Nachfolger. Im Vergleich zu den Bayrischen Herzögen, die ihr Machtzentrum vor der Tiroler Haustüre besaßen, schienen die Herzöge von Österreich im fernen Wien als neue Landesherren ungleich attraktiver. Auch die enge Verbindung Rudolfs mit dem Haus Luxemburg als Schwiegersohn des Kaisers Karl IV., war zu berücksichtigen. Alles sprach dafür, den brillanten „Jungpolitiker“ Rudolf IV. von Habsburg, den „Superstar“ unter den Reichsfürsten, samt seinen Brüdern als neue Landesherren einzusetzen.

In der Zwischenzeit verstrickten sich die fünf Bayernherzöge in Streitigkeiten um das Erbe ihres Neffen. Absehbar war, dass Herzog Stefan von Wittelsbach mit Waffengewalt nach Tirol greifen würde, sobald der Familienstreit beigelegt wäre. Die drohende Kriegsgefahr bewog Rudolf im Sommer 1363 wieder nach Tirol zu reisen und Verteidigungsvorbereitungen zu treffen. Auch wollte er Margarethe dazu bewegen, alle Herrschaftsrechte zu Gunsten der Habsburger Herzöge aufzugeben. Wieder akzeptierte Margarethe den Wunsch Rudolfs. Am 29. September 1363 erfolgte Margarethes feierliche Abdankung als Regentin. Mitte November 1363 startete der erste Angriff der Bayern, den Rudolf erfolgreich zurückschlagen konnte. Ein überraschender Überfall ein Monat später um die Weihnachtszeit 1363 traf Tirol hingehen unvorbereitet. Die Bayern erwiesen sich im Inntal als große Brandstifter, Mörder und Räuber. Dieses Kriegsereignis begründete das zwiespältige Verhältnis der Inntaler zu den nördlichen Nachbarn. Aber das ist eine andere Geschichte.

 Die „Schutzpatronin der Frauenemanzipation“

Noch im Jahr 1363 verließ Margarethe Tirol und übersiedelte nach Wien, wo sie 1369, 51jährig, verstarb. Nach der Legende soll Wien Margareten, der fünfte Wiener Bezirk, nach ihrem Alterswohnsitz benannt sein. Nach zeitgenössischen Beschreibungen war Margarethe von Tirol eine außergewöhnlich schöne Frau. In einer Männerwelt hatte sie ihr Erbrecht zu einer Zeit durchgesetzt, als solches für Frauen allgemein ausgeschlossen war. Und sie hatte sich Jahrzehnte lang erfolgreich als Landesherrin behauptet – dies an einem Brennpunkt der Geschichte. Margarethe hatte den ihr als Kind aufgezwungenen Ehegatten erfolgreich aus Tirol ausgetrieben und in freier Wahl den attraktivsten Mann zu ihrem Gatten gewählt, den das Deutsche Reich damals zu bieten hatte: Ludwig von Brandenburg war gerade drei Jahre älter als Margarethe, er war gutaussehend, er hatte sich schon in jungen Jahren als hervorragender Kriegsmann und energischer Politiker bewährt, er war Herr über Mark Brandenburg und damit stimmberechtigte bei den Wahlen zum Deutschen König. Und er war der älteste Sohn des regierenden Deutschen Kaisers. Der 18 Jahre dauernden Konflikt mit der offiziellen Kirche, den Päpsten in Avignon, und dadurch bedingt der förmliche Stand als bloße Mätresse eines Fürsten des Reiches, war sicherlich nicht geplant. Der Konflikt mit dem Papst war jedoch von Margarethe offenkundig in Kauf genommen. Das persönliche Glück war ihr wichtiger als ein guter Ruf und gesellschaftliche Konventionen. Der „Befreiungsschlag ihres Lebens“ am Allerseelentag des Jahres 1341, als Margarethe ihren Gatten aus der ehelichen Wohnung vertrieb und alle Böhmen und Luxemburger aus dem Land geworfen hat, und noch viel mehr die päpstlich nicht genehmigte Annullierung ihrer Ehe und die Neuverheiratung durch Kaiser Ludwig am 10. Februar 1342, bescherten Margarethe international über Jahre „negative Schlagzeilen“. Und einen Angriffskrieg ihres „Leider-Nein-Schwagers“ Karl von Luxemburg im Jahr 1347. Margarethe hatte jedoch eine persönliche Entscheidung für ein neues Leben getroffen und diese Entscheidung gegen alle gesellschaftlichen Normen ein Leben lang konsequent durchgezogen. Den Ehrentitel einer „Schutzpatronin der Frauenemanzipation“ hat sie sich allemal verdient.

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Ein verwegener Bergsteiger gewinnt das Herz von Margarethe Maultasch, von Dr. Bernd Oberhofer

Margarethe Maultasch von Tirol. Skandal-Lady des 14. Jahrhunderts

Margarethe und der Kaisersohn Ludwig

Ein verwegener Bergsteiger gewinnt Margarethes Herz